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Acatenango-Besteigung: Der absolute Reinfall

Eins war klar: Mindestens ein Vulkan muss in Guatemala bestiegen werden. 

Nach ewigem hin und her haben Sabrina und ich uns für den Acatenango in der Nähe von Antigua entschieden. 

 

Selbstverständlich ohne Guide. Warum auch? Wir haben beide genug Wandererfahrung, ein Zelt, Schlafsäcke und genug Reis. 

Nachdem uns jeder erzählt hatte, dass die Besteigung ohne Guide nicht möglich sei, habe ich meine Kontakte nach Indien spielen lassen.

Natürlich hat der verrückte Wanderkollege aus Nepal den Acatenango alleine bestiegen.

Dann können wir das auch!

 

Wozu bitteschön Geld ausgeben dafür dass man zusammen mit anderen bekloppten Touris einem Typi hinterherrennt?

 

Nein danke, dachten wir uns, wir sind unabhängig, wollen keine Pauachaltouren und sind auch nicht aus Zucker. 

Und letztendlich wird man sich ja auch nicht groß verlaufen können. Erstmal bergauf und dann sieht man weiter. 

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Der erste Versuch

Am Donnerstag um 4:50 hat bei uns der Wecker geklingelt. 

Warum nicht zu einer halbwegs humanen Zeit?

Weil wir den Touristenmassen entkommen wollten und eine Verspätung in irgendeinster Weise auch schon eingeplant hatten. Bushaltestelle nicht gefunden, Bus verpasst, verlaufen, was auch immer. 

 

Um 5:30, völlig übermüdet und unmotiviert nehmen wir also den Chickenbus von Antigua nach Parramos und von dort aus sollte es dann ohne Probleme direkt nach La Soledad, dem Startpunkt der Wanderung gehen. 

Ha! Als ob das so einfach wäre. Natürlich nicht. Dort wurde uns gesagt, in anderthalb Stunden, um 8:30 würde ein Bus in die Richtung fahren. 

Nach ca. 20 Minuten Warten fing es an zu regnen und wir beschlossen, lieber gleich wieder nach Antigua ins Hostel zu fahren als später, nachdem wir im Matsch den Vulkan einmal runtergerollt sind. 

 

12 Quetzales Verlust hatten wir durch diese unnötige Aktion, weniger als einen Euro pro Person. Das ist okay, dachten wir uns, dann versuchen wir es in zwei Tagen noch einmal, wenn das Wetter schöner sein soll. 

 

Der zweite Versuch

Also probieren wir es am Samstag aufs Neue. Nur hat der Wecker noch früher geklingelt, diesmal um 4:15, dass wir um 6:30 den Bus von Parramos zum Startpunkt bekommen. 

So der Plan. 

 

Blöd nur, dass um 6:30 kein Bus kam. Wir hätten also nochmal zwei Stunden warten müssen. 

 

Ein Busfahrer hat uns angeboten, in seinem Bus bis zur Endstation mitzufahren und dann könne er uns für ein paar Quetzales mit dem Auto zum Startpunkt fahren. 

Wenn das nicht perfekt ist!

Und so sind wir gegen 8:00 bei perfektem Wanderwetter hochmotiviert losgezogen. 

Völlig planlos und mit der ein oder anderen Diskussion, welchen Weg wir denn nehmen, marschierten wir immer weiter bergauf, bis wir gegen 15:00 ganz oben auf dem Vulkan standen und nicht wussten wie und wo es weiterging.

Natürlich hatten wir einige Zeltplätze auf der Karte markiert. Auf einem davon standen wir sogar gerade, ganz oben auf dem Berg, bei Nebel, Sturm, gefühlten -1000 Grad und fast 4000 Metern.

 

Hier könn wa net zelten. 

 

Das haben sogar wir als Blondinen kapiert.

Nachdem wir etwa eine Stunde umhergeirrt sind und wieder ganz oben standen, diesmal bei viel stärkerem Wind und Nebel und wir die Höhe deutlich spürten, entschieden wir uns schweren Herzens, wieder runterzugehen.

Unser humpelnder Begleiter hat uns nicht im Stich gelassen
Unser humpelnder Begleiter hat uns nicht im Stich gelassen

Auf dem Weg haben wir einen Guide mit seiner Gruppe getroffen, der uns angeboten hatte, bei ihm mit hochzulaufen, wenn wir ihm ein wenig mit der Übersetzung von spanisch -englisch helfen. Hätte er nicht gesagt dass unten im Dorf keine Busse mehr fahren und dass wir nur schwer eine Unterkunft finden würden, wären wir wahrscheinlich weitergegangen. So mussten wir ja quasi bei ihm mitgehen.

Sobald wir im Camp ankamen und perfekte Sicht auf den Fuego und die Vulkane um den Atitlan-See hatten, wussten wir, dass sich die Wanderung mehr als gelohnt hat.

Zwar wurden wir mit unseren Tonnen an Reis mit Ketchup, Sneakers und eigenem Zelt in der Gruppe als "bekloppt" abgestempelt (vielleicht ja auch zu Recht), aber das war es uns wert.

Die Sicht auf den hochaktiven Fuego
Die Sicht auf den hochaktiven Fuego

Die Sonnenaufgangs-Tour

Wie es sich bei vielen Treks so gehört, gehört auch hier eine kurze Wanderung früh um 4 zum Pflichtprogramm.

 

Nach einer extrem kalten Nacht, ging es also mit der Gruppe hoch auf die Spitze des Vulkans- Huch, da war ich doch schonmal :D

 

Ein typischen Krater kann man hier leider nicht erkennen, allerdings stößt man nach etwas buddeln auf warme Asche und kann sich die Hände aufwärmen, während man den Sonnenaufgang neben dem Fuego genießt.

Hah! Man braucht also doch keine Handschuhe!

Nie war eine Wanderung um 4:00 morgens für mich lohnenswerter
Nie war eine Wanderung um 4:00 morgens für mich lohnenswerter

Fazit

Vielleicht war es eine Schnapsidee, die Tour alleine zu starten und vielleicht sollte man sich das nächste Mal besser informieren, ob es nicht doch besser ist, den "Touri-Scheiß" mitzumachen.

 

Es ist auf keinen Fall unmöglich, selbstständig den Vulkan zu besteigen. Schließlich ist es nur ein Berg. Allerdings solltet ihr im Voraus genau planen, wo ihr euer Zelt problemlos aufschlagen könnt. Der "Zeltplatz" ganz oben auf dem Krater ist beispielsweise bei Wind mehr als ungeeignet. Anders sind andere Zeltplätze die ihr auf der Karte findet oft privat und gehören irgendwelchen Touranbietern.

 

Ständig werdet ihr an Gabelungen kommen, die vermeintlich nach einigen Metern wieder zusammenführen. Falsch gedacht! Überlegt euch gut, welchen Abzweig ihr nehmt und dann solltet ihr euch nicht verlaufen. Mit Offline-Karten kann man sich auf dem Acatenango erstaunlich gut orientieren.