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Gastfreundschaft im wahrscheinlich komischsten Land überhaupt

 

34 aktive Vulkane, Berge, Urwald, Meer, Ruinen, heiße Wasserfälle und traumhafte Seen. Dazu 53 verschiedene Sprachen und mehr als 20 verschiedene Volksgruppen- Wer will bei diesen Fakten bitte nicht nach Guatemala reisen? 

 

Die Landschaft Guatemalas ist wunderschön und einzigartig. Dazu sind die Menschen meist(!) freundlich und respektvoll.

 

Fast 7 Wochen war ich mit Sabrina im Land unterwegs. Mehr als die meisten anderen Reisenden, und doch hat man kaum etwas über die guatemaltekische Kultur erfahren können. Wir haben bei Familien im Garten gezeltet, ein paar Tage auf einer Farm gelebt und versucht, uns nur per Anhalter und in Colectivos fortzbewegen- ging nicht!

 

 Hier der ein oder andere Schwank unserer Guatemala-Durchquerung:

 

 

Der Fluss Semuc Champey
Der Fluss Semuc Champey

Gastfreundschaft wird in Guatemala klein geschrieben

Gleich am Anfang haben wir gemerkt: Der durchschnittliche Guatemalteke will keine Touristen. Zumindest im eher untouristischen Norden wird man angestarrt und angehupt als ob man der letzte blonde Mensch auf Erden wäre. 

Dazu mussten wir feststellen, dass die Preise Reisenden gegenüber überdimensional hoch und ganz offensichtlich nicht fair sind. Und Diskussionen sind meist unmöglich.

 

Bei den meisten Produkten, die in den Tiendas verkauft werden stehen feste Preise dran- Trotzdem bekommt man das Produkt teilweise nicht, ohne den doppelten Preis zu zahlen. Gleiches in Colectivos, den lokalen Bussen. Versucht man zu handeln, werden die Kassierer aggressiv und würden einen eher rausschmeißen, anstatt den echten Preis zu nehmen.

 

Genauso die Eintrittspreise: Während der Guatemalteke 25 Quetzales (ca.3€) für die Tikal-Ruinen zahlt, zahlt der Touri 150 (ca. 18€). Hier fände ich selbst den doppelten Preis noch angemessen, aber das sechsfache ist einfach zu viel. Wir Geizhälse waren kurz davor umzudrehen.

 

Hostelpreise scheinen erstmal etwas günstiger zu sein als in Mexiko. Allerdings ist hier fast nie eine Küche mit dabei und billiges Streetfood lässt sich auch nicht immer finden. Von daher ist man, anders als man vielleicht denken würde, in Südmexiko wesentlich günstiger unterwegs.

 

 

Die ungeplant dreitägige Reise von Río Dulce nach Lanquín - Wird Gastfreundschaft doch eher groß geschrieben?

Da wir nunmal geizig sind und Tourishuttlebusse auch so gut es ging meiden wollten, viel die Entscheidung nicht schwer, mit Colectivos nach Lanquín, dem Dorf beim berühmt-berüchtigten Fluss Semuc-Champey zu fahren.

150 Kilometer, das muss doch an einem Tag schaffbar sein, haben wir uns gedacht. Schließlich müssen sich auch die Guatemalteken hier auch irgendwie fortbewegen.

 

In Colectivos wird´s kuschelig- Natürlich auch mit dem Huhn!
In Colectivos wird´s kuschelig- Natürlich auch mit dem Huhn!

Am Ende haben wir fast 3 Tage für die Strecke gebraucht, mit Übernachtungen mitten im Nirgendwo.

 

Dass die Fahrt kompliziert werden könnte, und dass wir ein paar mal umsteigen müssen, war uns klar. Schließlich haben wir schon gemerkt dass sowohl das Straßennetz als auch die Qualität der Straßen mehr als nur miserabel sind. 

 

So haben wir uns also vorher grob informiert, in welchen Orten wir am besten umsteigen. Da sich in Río Dulce anscheinend niemand so richtig sicher war, haben wir in den Bussen auch nochmal nachgefragt, wo wir am besten aussteigen.

 

Und so kam es, dass wir an einer Kreuzung mitten im guatemaltekischen Petén, so ziemlich im Nigendwo rausgelassen wurden und dort mehr als zwei Stunden auf einen Bus gewartet haben. Es kam nix. Weder in die eine, noch in die andere Richtung.

 

"Ach jaa, Guatemala, hier ist eben nicht alles pünktlich", haben wir uns gedacht.

 

Nixda! Nachmittags fahren hier keine Busse, wurden wir später belehrt. Wer in Guatemala reisen will, muss früh aufstehen.

 

Gegen 15:00 hielt ein Pick-up bei uns an, der Typ fragte uns, was wir hier suchen und wo wir hinwollen -berechtigte Frage!

Uns war klar, dass wir eh irgendwo zwischenübernachten müssen, also sagten wir, dass wir erstmal nur in die Zivilisation müssen und uns da eine Unterkunft suchen. 

 

Er bot uns an, mit auf seine Farm zu kommen und dort ein, zwei Tage zu hausen. Warum denn nicht? Also kauften wir im nächsten Dorf ein paar Mitbringsel-Bier (wie es sich für Deutsche gehört) und fuhren durch ein kleines Dorf zur Farm.

 

"Im Dorf leben die Leute, die auf der Farm arbeiten und ihre Familien", erklärte er uns.

Alles klar, eine Riesenfarm mit einem Kautschukwald, riesigen Reisfeldern und so ziemlich jeder Frucht, die in Guatemala wächst!

Nachdem uns er und seine Frau viel über die Landwirtschaft in Guatemala beigebracht haben, sind wir dann (wirklich!) problemlos nach Lanquín weitergezogen.

Und wat is nu?

Selbstverständlich lautet die Antwort dass es Positiv- als auch Negativbeispiele zum Thema Gastfreundschaft in Guatemala gibt. Aber ich glaube, krasser als hier können die Unterschiede in der Bevölkerung kaum sein. 

 

Wir haben Gastfreundschaft, Gastfeindschaft und falsche Gastfreundschaft erlebt.

 

Wir waren in einem Restaurant, in dem Jugendliche in Unterwäsche und Säge in der Hand durch den Garten rennen und Kinder stehen an einem touristisch beliebten Wasserfall mit Sense in der Hand hinter Bäumen. 

Vermeintliche Freunde haben uns ohne Grund von heute auf morgen rausgeschmissen und uns bezüglich Beteiligung an Lebensmitteln und Gaspreisen völlig verarscht.

Und dann trifft man auf Hostelbesitzer, die gerne teilen und dir alles über ihre Kultur erzählen  und Guides, die dir auf einem Vulkan aus der Not helfen.