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4 Dinge, die dich in Nepal schockieren werden

1. Es gibt einfach keine Mülleimer

Man findet einfach keine.

Weder in Kathmandu, noch auf kleinen Dörfern oder anderen Städten. Die Leute werfen ihren Müll einfach in den nächsten Fluss, dann fließt das ganze Zeug nach Indien und das Thema ist vom Tisch (ja, Nepalesen mögen die Inder nicht sonderlich). Wenn gerade kein Fluss in erreichbarer Nähe ist, wird der Müll entweder auf die Straße, oder direkt aus dem Fenster geschmissen. Wobei ich dazu sagen muss dass das ganze auf dem Dorf nicht annähernd so schlimm ist wie in Kathmandu. Mein Gastvater hat mir gesagt: "Bei uns wird der Müll getrennt. Was Kühe oder Hunde essen können wird hinter´s Haus geschmissen, alles andere wird verbrannt". Das mag zwar aus europäischer Sicht nicht die gesündeste Lösung sein, ist für Nepalesen (&Inder!) jedoch die beste Option den Müll loszuwerden. 

Allerdings gibt es auf den Dörfern auch kaum Müll den Tiere nicht fressen können. Eierschalen und Knochen vielleicht. Ansonsten bauen sich die Leute ihr essen selbst an oder fangen es.

Und nein, in Nepal sind nicht alle Vegetarier; Wie auch, bei mehr als 60 ethnischen Volksgruppen und um die 120 verschiedenen Sprachen.

 

2. Kathmandu

Kathmandu ist krass. In der eher buddhistischen Stadt leben tibetische Flüchtlinge und Menschen, die Karriere machen wollen und vom Dorf weggezogen sind. Karriere bedeutet für die meisten dort, einen kleinen Laden aufzumachen in dem Sachen verkauft werden, die es eh schon zu viel gibt: Tante-Emma Läden, Obststände, Momo-Restaurants (Maultaschen), Thangka-Gallerien (tibetische Mandalas) und die typischen Touri-Shops. 

Niemand, weder Reisende noch Einheimische die ich getroffen habe, haben gesagt dass sie sich in Kathmandu wohl fühlen. Da leben Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind und ihren Familien helfen wollen. In vielen Seitenstraßen findet man Männer, die Ziegelsteine  vom Erdbeben 2015 aufräumen und Häuser wiederaufbauen, Mönche, Hindus, Kühe, Hühner , Hunde, Affen, Leute die im Chaos irgendwie von A nach B kommen wollen und ein paar Touristen die orientierungslos umherirren. 

 

Die Bremse scheint in Kathmandu durch die Hupe ersetzt worden sein und Ampeln wurden schon längst aufgegeben und stehen ohne Licht an den großen Kreuzungen. Teilweise lässt sich nicht erkennen, ob ein Rechts- oder Linksfahrgebot herrscht; Da wo Platz ist, fährt man rein, egal ob da Gegenverkehr kommt oder nicht.

Nicht selten findet man eine vierköpfige Familie oder eine Ziege auf einem Motorroller. 

 

Neben der buddhistischen Boudha-Stupa und Swayambhunath, auch Affentempel genannt, etlichen Gebetsfahnen und Gebetsmühlen findet man auch fast überall in der Stadt kleine Hindutempel.

Mir hat mal jemand gesagt, nirgendwo auf der Welt harmonieren zwei verschiedene Religionen so gut wie in Nepal. Und da ist Kathmandu meiner Ansicht nach das beste Beispiel für.

Am Stadtrand ist es zwar nicht sauberer, dafür jedoch wesentlich entspannter. Die Menschen sind gastfreundlich, freuen sich über jeden Fremden, laden gerne auf einen Tee oder ein Reisbier ein und erklären dir ihre Sicht auf das politische System, wollen dir nepalesisch beibringen und dich davon überzeugen dass Inder doof sind.

Das ganze ist als alleinreisende Frau natürlich mit Vorsicht zu genießen, jedoch habe ich mich nie unwohl gefühlt.

Für Nepalesen ist es eine große Ehre, Gäste zu haben und sie freuen sich riesig, Menschen einladen zu können.

3. Das Dorfleben

Zugegeben, ich habe nur in einem Dorf im Kathmandutal gelebt. Aber ich denke das war schon ziemlich repräsentativ für das typische Dorfleben in Nepal. 

In Changu Narayan habe ich insgesamt ca. 6 Wochen bei einer Familie gelebt und dafür im Haushalt und im Garten mitgeholfen. Die Menschen dort haben kaum Geld, brauchen jedoch auch nicht viel. Reis, Linsen, Kartoffeln und anderes Gemüse baut sich jeder selbst an, Ziegen und Hühner laufen überall durchs Dorf. Zu essen gibt es an normalen Tagen zwei mal Dal Bhat, Reis mit Linsensuppe und Gemüse. Das mag hart klingen, ist es aber nicht. Etwas so einfaches kann man jeden Tag essen, der Reis schmeckt nicht, wie in Deutschland einfach nach nix und auch die Kartoffeln werden ganz speziell gewürzt. Ich würde mal sagen wenn man jeden Tag das gleiche kocht, dann weiß man irgendwann wie es geht. 

 

Im Dorf steht der älteste Tempel von Nepal, entsprechend wird versucht, mit Touristenläden und kleinen Gasthäusern Geld zu machen- ohne Erfolg. Die Leute sitzen in ihren Shops, warten auf Touristen und vertreiben sich die Zeit indem sie Tee trinken, sich gegenseitig die Haare färben und Sprachen lernen. 

Ich habe mich ziemlich schnell den Leuten in Changu angefreundet, war auf "Partys" dabei (man sitzt zusammen, einer spielt Gitarre und die anderen singen oder tanzen), hatte die interessantesten Gespräche, wurde zu Familienfeiern eingeladen, habe ein wenig nepalesisch gelernt und bin mit dem Motorrad in ein buddhistisches Klosterdorf gefahren.

 

Überwältigt hat mich die Selbstlosigkeit, die Offenheit und die Gastfreundlichkeit der Nepalesen. Sie freuen sich riesig wenn sie dich auf einen Tee oder Dal Bhat einladen können, dich ihrer Familie vorstellen und du einfach Zeit mit ihnen verbringst.

Geld spielt dort überhaupt keine Rolle, man ist zufrieden mit dem was man hat und Geschenke werden auch nicht angenommen.

Man sitzt Abends einfach zusammen in einer kleinen Wellblechhütte, macht Musik, trinkt Reisbier und ist glücklich mit dem was man hat.

4. Die Lebensart

In Nepal wird unter Freunden und Familie weder Bitte noch Danke gesagt, jeder gute Bekannte wird als "Bruder" oder "Schwester" bezeichnet und unter Freunden ist es völlig normal, Hände zu halten. 

 

 

Offiziell existieren das Kastensystem und sie Zwangsheirat längst nicht mehr.

 

Inoffiziell finden Menschen aus den unteren Kasten in der Stadt einfach keine Arbeit und müssen weiterhin auf dem Dorf leben. Da kennt man sich untereinander und es ist völlig egal aus welcher Schicht jemand ist.

Es gibt genug Platz für jeden, seinen Laden zu eröffnen.

 

Wer studiert, findet auch gute Arbeit, egal aus welcher Kaste.

 

Nur ist das Studieren in Nepal teuer und nicht möglich wenn man aus einer "niedrigkastrigen" Familie vom Dorf kommt.

Mir hat ein Nepalese erzählt, er habe angefangen in Kathmandu zu studieren, musste dann jedoch abbrechen weil er dort keinen Job gefunden hat, um das Studium zu finanzieren. 

 

 

Offiziell müssen in Nepal beide zustimmen, um heiraten zu können.

 

Inoffiziell sucht das immernoch die Familie aus. Wer sich da weigert, wird wahrscheinlich von Zuhause rausgeschmissen, und das ist für die meisten Nepalesen wesentlich schlimmer als mit irgendwem verheiratet zu sein.

Denn die Familie steht an oberster Stelle.

 

Offiziell wurde die Kinderheirat in Nepal 1963 verboten. Ich habe niemanden unter 18 getroffen der verheiratet ist. Meine Gasteltern jedoch haben mit 13 und 15 geheiratet, irgendwann nach Erlass des Verbots.

 

Ich habe in Changu ein Mädchen getroffen, ist in ihrem letzten Schuljahr und habe sie gefragt, was sie denn nach der Schule machen will.

"Heiraten", war die Antwort.

-"Wen willst du denn heiraten?", habe ich ganz doof gefragt.

"Hmm, weiß ich nicht"

 

 

Das Heiraten ist in Nepal etwas vollkommen anderes als in Europa. Dort scheint es eine Garantie für ein glückliches Leben zu sein, dabei ist die Frage wer überhaupt geheiratet wird eher zweitrangig. Trennungen kommen für die allermeisten nicht infrage.

In Deutschland wird ein ewiges Drama draus gemacht, wen man heiratet, auch ja nicht zu früh, um sich dann doch irgendwann wahrscheinlich zu trennen.

 

Wenn man das einem Nepalesen erklärt, kommt nur ein ungläubiges Kopfschütteln und eine Antwort a la "These tourists, I really can´t understand them".

 

 

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